Sprachbarrieren

Manchmal steht sich gedeutschte Türken wahrlich selbst im Wege.  In solchen Fällen darf man sich nicht wundern, wenn einen das Gegenüber nicht versteht, auch wenn man sich in zwei bis fünf Sprachen zu verständigen weiß 😉

Dummerweiße mutiert in einzelnen Fällen leider die Sprachenvielfalt zum babylonischen Wirrwarr. Ich denke jeder, der in irgendeiner Form zweisprachig aufgewachsen ist, wird an dieser Stelle zustimmend nicken.  Als gedeutschter Türke (wahlweise auch Engländer, Franzose, Pole, Russe, Iraner ect) ist man es, v. a. im familiären Bereich gewohnt eben einfach „verstanden“ zu werden, egal welche Sprache man gerade spricht. Da kommt es dann, für ungewohnte Ohren zu teilweise bizzaren Satzkonstruktionen, in denen man deutsche, türkische, englische und französische (ect. je nach erlernten Sprachen ließe sich diese Liste endlos forsetzen) Wörter gleichzeitig in einem Satz findet – und ja, dass ist Umgangssprache. In den allermeisten Fällen denken gedeutschte Türken nicht darüber nach in welcher Sprache sie sprechen. Sie passen sich meist dem Umfeld an und greifen dann, ohne groß über Bedeutungen nachzudenken auf die Vokabel zurück, die im Bewusstsein gerade am präsentesten ist.

Was vielen als Vorteil erscheint, wird zu echten Nachteil, wenn man sich eine Zeitlang eingehend und ausführlich auf türkisch Unterhalten hat und dann plötzlich das Telefon klingelt. Man geht ran, und versteht naturgemäß dem unbekannten „Menschen auf der anderen Seite der Leitung“ – die Sprache ist natürlich kein Problem…zumindest nicht für einen selbser.

„Der Mensch auf der anderen Seite der Leitung“ erscheint einem seltsam verwirrt und ringt um Worte. Und weil wir nach zwei Minuten immer noch nicht wissen warum uns ein/e Unbekannte/r anruft, fragt man immerzu nach worum es denn nun endlich geht. Er/Sie versucht uns auf umständlichste Weise etwas zu erklären – wir begreifen immer noch nicht und fragen uns was in Gottes Namen mit dem „Menschen auf der anderen Seite der Leitung“ eigentlich los ist, bis ein verzweifeltes:

„Oje, wie mache ich mich Ihnen nur verständlich…?“

uns offenbart, dass nicht „der Mensch auf der anderen Seite der Leitung“ irgendwie komisch drauf ist, sondern einen schlicht nicht verstanden hat.

In diesem Moment hört man meist ein leises, imaginäres Klirren, als würde man den Kasten mit dem Feueralarm aufbrechen. Es funktioniert! Der Sprachenschalter legt sich um, wir sprechen wieder deutsch…und befinden uns in der peinlichen Lage, dem „Menschen auf der anderen Seite der Leitung“ zu erklären, was in Gottes Namen eigentlich mit UNS los war.

Tipps zu Vermeidung? Üben, Üben, Üben und trotzdem passiert es immer mal wieder – auch mir.  Heilung des babylonischen Wirrwarrs bei mehrsprachig Aufgewachsenen? Unwahrscheinlich. Wir können nur die Symptome lindern. Mit ein paar Dingen muss man als gedeutschter Türke eben leben 😉

An dieser Stelle einen höflichen Dank und ein herzliches Entschuldigung an alle „Menschen auf der anderen Seite der Leitung“ die schon einmal das Vergnügen hatten mit mir zu telefonieren 🙂

 

 

 

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