Sucuk zum Frühstück

„Sag mir was du isst, ich sage dir wer du bist“. Bis zu einem gewissen Grad lag Jean Anthelme Brillat-Savarin damit richtig. Allerdings bezog er sich mit diesen Satz eher auf die sozialen Unterschiede zwischen den Essern als auf die kulturellen. Heute interpretieren wir diesen Satz nur zu gerne anders herum. Dass erzeugt natürlich so manche Klischeeblüte 😉

Ignorieren wir mal ganz offensichtliche Stolperfallen wie: „Japaner essen täglich  Sushi“ oder „Engländer kochen ihr Wildschein in Pfefferminzsoße“, und widmen uns etwas harmloseren: Ich lebe in Deutschland. Was ich im Supermarkt im meinen Einkaufswagen lege unterscheidet sich folglich lediglich nach meinem persönlichem Gusto von dem, womit mein Nachbar seinen Kühlschrank füllt. Dennoch führt die Tatsache meiner Herkunft, aus mir unbegreiflichen Gründen, zu Annahmen, deren Herkunft mir ein Rästel ist:

So wird nach einem Grillabend in größerer Runde (und es ist egal wie groß die Runde ist oder wie sie sich zusammensetzt, einer tut es immer) gerne angenommen, dass ich jeden Tag „Sucuk“ zum Frühstück auf dem Tisch hätte. Zum Abendessen wird mir gerne Döner oder irgendwas anderes angedichtet, dass man gewöhnlich in einer Dönerbude findet – wenn ich dann mal tatsächlich Lust darauf entwickele und einen Besuch beim nächsten Imbiss vorschlage, fallen gleich Sätze wie „Ja, kannst ja nicht einen Tag ohne xyz Leben“ oder „Sag mal wo’s den den Besten gibt. Das weisst DU doch bestimmt“.

Solche Sätze fühlen sich als gedeutschter Türke so seltsam an, als wäre man als Deutscher in Deutschland – und zwar nicht das in Europa, sondern das Deutschland in Disney World Florida. Das Deutschland, dass ein ewiges Oktoberfest ist und nur in den Kopfen all derer existiert, die dieses Land nur durch einen einmaligen Besuch eines (wie könnte es auch anders sein) Oktoberfestes kennen.

Ja, Leute! Es ist genau so, wir Ihr euch meinen Alltag vorstellt! Ich esse jeden Morgen zum Frühstück Sucuk, genau so wie mein bester Freund morgends sein Maas Bier und eine ordentliche Portion Sauerkraut braucht, um in die Gänge zu kommen!

Mein ganzes Leben lang schon staune ich darüber, dass die Leute offenbar glauben ich hätte das äquivalent einer Imbissbude in meiner Küche stehen und dass bei mir Zuhause in jede Mahlzeit mindestens eine Knolle Knoblauch das zeitliche segnet. Denn:

„Türken kochen ja immer sooo viel mit Knoblauch…“

Wirklich? Also ich zumindest nicht, denn ich kann das Zeug a) nicht ausstehen, und b) vertrage es eh nicht so gut. Interessanterweise ist aber ein Großteil meines urdeutschen Freundeskreises von der Knolle hemmungslos begeistert – Tja, verkehrte Welt ;-P

 

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