Wie war Ihr Name…?

Namen sind Schall und Rauch…und dennoch ist es als würden wir mit unserem Namen wie mit einem Stempel  auf der Stirn herumlaufen, der uns als (beliebige Nationalität einfügen) kennzeichnet.“Normale“ Deutsche heißen demnach Benjamin, Sebastian, Michael, Anna, Nicole und Simone, so wie „normale“ Briten William, James und Elisabeth, „normale“ Franzosen Louis und Jacqueline und „normale“ US-Amerikaner Brad und Jane heißen.

Analog dazu heißt der „normale“ Türke meist Mehmet, Ali oder Hasan und die „Türkin“ gerne  Ayse oder Fatma. Ok, in letzter Zeit sind ein paar Namen dazu gekommen. zum Beispiel Mesut (dem Fußball sei dank), Cem (unfassbar, ein Politiker 😉 ) oder Gülcan (nach der bekannten Moderatorin).  Und da Menschen, völlig unabhängig von ihrem Bildungsstand, in solchen Dingen gerne einfach gestrickt sind, ist für die meisten „Urdeutschen“ ganz offenbar die Welt in Ordnung, solange der gedeutschte Türke namentlich als solcher erkennbar ist…

Dumm nur, dass es auch in Deutschland mehr als genug TürkInnen gibt, die eben nicht von Ihren Eltern mit „normalen“ Namen ausgestattet wurden. Die heißen dann exemplarisch gerne mal Fahri, Tuba ect oder tragen gemeinerweise einen Namen wie Deniz, welcher fast Deutsch klingt…dann, werden die Träger jener fremdländisch klingenden Namen in Deutschland wird öfter mal Zeuge göttlicher Anblicke. Menschen mit altdeutschen, englischen oder französischen Vornamen gehen scheinbar gerade noch als „ok, ist genehmigt“ durch. Aber wehe der eigene Vor- und/oder Nachname klingen exotisch, und dass OBWOHL man weder fremdartigen Akzent aufweist, noch aussieht wie der Klischee-Ausländer, denn damit sprengt man im unbedarften Umgang mit seiner Umwelt die unsichtbaren Mauern im Bewusstsein seiner Gesprächspartner 😉

Die Frage, die ich, wenn ich mich vorstelle, am häufigsten gestellt bekomme ist wohl: „Wie war Ihr Name?“. Beliebte Varianten sind: „Wie?“, „Das klingt ja komisch/seltsam…?“, „Oh, wie (hier ähnlich klingenden Prominamen einfügen)…?“ oder einfach nur „HÄÄÄÄÄH???“.

Würde ich jedesmal einen Euro bekommen wenn mir eine dieser Fragen gestellt wird, müsste ich nie wieder arbeiten! Positiv daran ist, dass das Gegenüber einen nie wieder vergessen wird – denn an fällt ja völlig aus dem Rahmen dessen was der „Normalzustand“ ist. Negativ daran ist: Kaum dass unser Gegenüber weiß, woher unsere Eltern stammen, bricht die Flutwelle der ganzen Klischees über den „türkischen Migrationshintergrund“ über einen ein.

Wer Pech hat, für den bedeutet es Probleme. An einem Namen können hierzulande nämlich (auch wenn es gerne dementiert wird) immer noch Karrieren scheitern, z.B.: Mehmet und Gülen haben es nach dem Schulabschluss zum wesentlich schwerer im Anschluss eine Ausbildung zu finden als Sebastian und Charlotte. Im schlimmsten Falle, fällt man dem gleichen Prinzip zum Opfer wie ein deutsches Kind mit dem Namen Kevin oder Chantal .

Aber! Da man gedeutschten Türken ihre Herkunft nicht ansieht (kurz, man ist ein „guter Türke“), wird man eher für kleines Sprachengenie gehalten, dass sich „vorbildlich integriert hat, auch wenn“- und Achtung, es folgt nun ein Real-Life-Zitat –

„…Sie ja doch noch nicht ganz in Deutschland angekommen sind…“

Vor dem Hintergrund in Deutschland aufgewachsen zu sein und auch die entsprechende Staatsbügerschaft zu besitzen, hat dieser Satz einen schaalen beigeschmackt, denn: Was bedeutet in diesem Kontext eigentlich „angekommen sein“?

Namen sind eben nicht nur Schall und Rauch. Und gerade nach solchen Begegnungen ziehe ich vor der Naivität und Scheuklappenmentalität, aller meiner Mitbürger ohne Migrationshintergrund den Hut. Denn Leute die solche, durchaus beleidigenden, Dinge einfach so von sich geben, ohne darüber nachzudenken welchen Schaden sie damit evtl. auch für nachfolgende Generationen anrichten, haben ganz offensichtlich keine Probleme und fühlen sich meist – unglaublich aber wahr – sogar im recht.

Es ist schade, dass es nicht möglich ist Menschen, die offenbar nicht weiter denken als bis zu ihrer Nasenspitze, diesbezüglich gründlich den Kopf zu waschen. Aber, wir können wenigstens dafür solche Menschen die Gelegenheit geben Ihre Kommentare nochmal zu überdenken, indem wir sie darauf hinweisen, dass z.B. „Hans-Jürgen“ für swahilische Ohren wie ein kleiner Scherz klingt 😉 Alternativ können wir uns den Spaß geben und den Klugscheißermodus einschalten, indem wir anmerken dass die korrekte Höflichkeitsform „Wie ist ihr Name?“ oder „Verzeihung, ich habe Sie nicht verstanden!“ lautet. Denn gerade für uns Menschen mit Migrationshintergrund macht nichts mehr Spaß, als jemandem, der es vermeintlich besser Wissen müsste, da es/sie ja Muttersprachler ist, seine eigene Spraache zu erklären 😉

Eine weitere schöne Variante des hier behandelten Ereignisses ist die Frage:“ Woher kommt denn dein/Ihr Name?“ Allerdings folgen der gerne andere Gesprächsminen, über die ich lieber ein andermal schreiben will.

Der obige Arikel ist eine exemplarische Zusammenfassung meiner eigenen Erlebnisse. Darum würde ich mich abschließend freuen, wenn Ihr eurere Erlebnisse zu diesen Thema, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, mit mir und/oder der Welt teilen wollt 🙂

Ich bin ein gedeutschter Türke

Klar, ich habe Großetern und Eltern die im Zuge der Anwerbung von Arbeitskräften in den 60er und 70er Jahren nach Deutschland kamen. In soweit Stimmt dass mit meiner türkischen Herkunft…nur leider hören in meinem Fall die Klischees hiermit auf.

Ich bin ein Kind der dritten Generation, was bedeutet dass ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin. Ich sehe mich selbst nicht als besonders türkisch. Dank meiner Herkunft habe ich lediglich Zugang zu einer kulturellen Welt, die den meisten Deutschen ausgesprochen fremd und seltsam erscheint. Ich praktiziere die Religion in die ich hineingeboren wurde ebenso wenig wie die meisten Deutschen. Und die Türkei selbst, ist für mich ein Land, dass ich (im Gegensatz zu vielen anderen die so sind wie ich) nicht einmal aus dem Urlaub kenne, dessen Sprache ich aber verstehe und spreche.

Ich habe ein deusches Abitur in der Tasche, habe die deutsche Staatsbürgerschaft mit der ich gewissenhaft an jeder Wahl teilnimme und lebe, wie viele andere Deutsche auch, in „wilder Ehe“.

Dennoch werde ich hier in Deutschland von vielen „Ur-Deutschen“ als Türke wahrgenommen, sobald ich meine, in meinem Fall eben nicht offensichtliche, Herkunft aufdecke. Dem folgt gewöhnlich eine nicht endend wollende Tirade von teilweise endlos naiven Fragen oder überraschten ausrufen, die ich endlich mal kommentiert wiedergeben möchte.

Ich wünsche euch viel Spaß beim lesen (und eventuell auch ein paar erhellende Momente 😉 )